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Elektromobilität

Hybrid ist Quatsch – oder doch nicht?

Seit Januar fahre ich einen Passat GTE, also einen „Plugin-Hybrid“. Rund 50 Kilometer kann das Auto rein elektrisch fahren – und der Benzintank reicht für gut 600 Kilometer Strecke. Einige sagen ja, dass Hybrid-Autos Blödsinn sind, weil sie das Schlechteste beider Welten vereinen: Der Akku reicht gerade mal für kurzen Strecken – und wenn man mit Benzin fährt, schleppt man rund 200 Kilo Akku und Elektro-Technik mit, die den Benzinverbrauch steigert. Also lassen und lieber weiter Diesel fahren? Mein Fazit nach sechs Monaten: Nein, der Hybrid macht Sinn!

Auf den Mitarbeiterparkplätzen der RP gibt es ausreichend Ladesäulen. Foto: Sebastian Brinkmann

Ladegeschwindigkeit und Akku-Reichweite

Erstmal zu den Nachteilen: Die Akku-Reichweite ist aus meiner Sicht zu knapp bemessen. Gerade im Winter schaffe ich damit nur eine Strecke von Solingen nach Düsseldorf oder (!) zurück. Da ich aufgrund der von den Miteigentümern nicht genehmigten Wallbox zu Hause nicht laden kann, fahre ich zumindest morgens meistens mit Benzin zu Arbeit. Im Sommer reicht der Akku knapp für Hin- und zurück – aber dann muss ich zumindest das Stück auf der Autobahn mit Benzin-Unterstützung zurücklegen. 100 oder gar 150 Kilometer würden Hybrid-Autos auch für die Leute interessant machen, die beim Arbeitgeber oder zu Hause keine Ladesäule nutzen können.

Ein weitere Einschränkung der Praxistauglichkeit ist die Ladegeschwindigkeit, die sich im Vergleich zum Renault Zoe sehr gut erläutern lässt: Während unser Zweitwagen mit 22 kWh Strom ziehen kann, nimmt der Passat GTE nur 3,6 kW pro Stunde auf. Schuld ist nicht die Ladesäule, sondern der so genannte Onboard-Loader, der vom Hersteller verbaut wurde. Da spart Volkswagen oder geht wohl davon aus, dass ein Hybrid-Auto viel Zeit zum Laden hat. Führt in meinem Fall aber leider dazu, dass ich rund 4 Stunden brauche, um den Akku für 50 weitere Kilometer zu laden. Ein Einkaufsbummel oder eine zweistündige Radtour reichen also nicht aus, um den Akku wieder zu laden. Würde das Auto zumindest mit 11 kWh laden, wäre der Akku in einer guten Stunde wieder voll. Schwups, könnte man das Auto noch öfter elektrisch fahren.

Und warum macht ein Hybrid doch Sinn?

Trotz der oben genannten Nachteile macht der Hybrid aus meiner Sicht Sinn, weil er einen die Vorteile des elektrischen Fahrens erleben lässt: Schnelle Beschleunigung, leise Fahrgeräusche, One-Pedal-Driving (dank Rekuperation kann man vor allem in der Stadt fast nur mit dem Gaspedal fahren). Und man beschäftigt sich mit dem Thema Laden: Wo sind Ladesäulen? Was kostet Strom? Wie könnte man längere Strecken rein elektrisch meistern? Ich kann für uns sagen: Ohne den Passat GTE hätten wir die Renault Zoe vielleicht nie Probe gefahren, weil wir gedacht hätten, dass die Zeit für die Elektromobilität noch nicht gekommen ist. So gesehen ist der Hybrid eine Übergangstechnologie: Wenn ich mir in vier Jahren einen neuen Wagen aussuchen darf, ist die Zeit reif für ein rein elektrisches Auto. Hoffen wir, dass es dann gute Elektro-Autos mit großem Kofferraum gibt.

2 Antworten auf „Hybrid ist Quatsch – oder doch nicht?“

Hallo,
die Erfahrungen decken sich mit meinen. Ich fahre seit März 2018 einen Passat GTE, bin von einem 170PS Diesel auf den GTE umgestiegen. Mit dem Diesel bin ich regelmäßig strecken mit 1100km/Tank gefahren. Das ist mit dem GTE nur mit mehrmals Tanken möglich. Auf Langstrecke bringt der nichts. Meine Entscheidung für den GTE habe ich damals getroffen weil er es erlaubt eine Anhängerkupplung am E-Auto zu haben. Kann zwar nur 1100kg anhängen gegenüber meinem Diesel der 1800kg konnte aber es ist noch im Rahmen.
Ich bin zudem noch in der glücklichen Lage das ich im Büro mit PV Laden kann so wird er in den Bürozeiten geladen und die Strecke vom Büro zur Wohnung ist nur 17km einfach. Das schaffe ich auch im Winter hin und zurück wenn ich nur 16 Grad im Auto temperiere und vor Abfahrt heize.
Ansonsten schliesse ich mich der Meinung komplett an Reichweite von 150km währen super, Anstatt nen Benziner nen Diesel der nicht 9,5Liter/Super pro 100km verbraucht und nen 11kw Onboardlader dann wäre der GTE das Perfekte Auto.

Es ist aber klar warum so ein Auto NIE kommen wird auch wenn es eigentlich die Perfekte Kombi für den normalo wäre. Die Automobilindustrie wird durch die CO² vorgaben gezwungen auf reine E-Autos zu gehen auch wenn das aus Ökologischer Sicht Blödsinn ist. Wenn die nun einen Hybriden bauen würden der eigentlich perfekt wäre (sparsamer Diesel für Langstrecke) und E_Antrieb in der Stadt / Pendelstrecke würde sich keiner mehr ein reines E-Auto kaufen. Denn für den normalen Benutzer wäre der überflüssig.

Und ich werde nicht auf einen reinen E-Antrieb umsteigen solange ich nicht reichweiten wie mit meinem Diesel schaffe. Ich fahre wie gesagt regelmäßig entfernung von ca.800 km einfach (3x im Monat beruflich nach Riejeka ). Mit meinem Diesel habe ich das in einem Rutsch erledigt ohne zwischendurch Tanken zu müssen. Mit dem GTE muss ich unterwegs 2 mal Tanken. Und mit nem reinen E-Auto muss ich mindesten 2 mal für ca 45minuten Laden (Kollege fährt nen Tesla). Der braucht ca. 2 Stunden länger als ich mit meinem Diesel gebraucht habe. Und wenn man das 2 mal die Woche und 3 mal im Monat macht dann sind das 12 Stunden die man länger im Auto verbringt als man müsste.

Mein nächster wird aufgrund meines Nutzungsverhaltens wieder ein Diesel. Auch wenn ich den Elektroantrieb wirklich Super finde aber solange ich mich bei Nutzung eines reinen E-Autos gegenüber einem Diesel verschlechtere wirds halt wieder ein Diesel. Auch die Verbrauchskosten sind bei einem E-Auto im Vergleich zum Diesel höher. Und die Durchschnittsgeschwindigkeit auf Langstrecke aufgrund der Ladepausen deutlich niedriger. Und das hat NICHTS mit schnell fahren zu tun denn in AT, SLO, und HRK gelten 130er Tempolimits (was auch den niedrigen Dieselverbrauch begründet). Aber bei jeder An und Abfahrt sitzt man 2 Stunden länger rum … Und solange das noch so ist sind E-Autos für mich nur für Kurz und Mitteldistanz zu gebrauchen.

Vielen Dank für diesen ausführlichen Kommentar.

Keine Frage: Wer oft lange Strecken fährt, ist mit einem Diesel (noch) besser bedient. Der GTE macht Sinn, wenn man zumeist kurze Strecken fährt und selten längere Strecken.

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