Von Hamburg nach New York mit der Queen Mary 2

Diese Reise war ein Traum: Einmal mit dem Schiff von Hamburg nach New York fahren. Meine Recherche ergab, dass nur die Queen Mary 2 diese Strecke mit einem Zwischenstopp in Southhampton ziemlich gradlinig fährt. Aida und MeinSchiff verlegen regelmäßig ihre Schiffe nach Nord- oder Südamerika – aber sie fahren näher an der Küste, machen mehrere Zwischenstopps und brauchen deshalb nicht neun sondern 14 Tage.

Wie kommt man auf diese Idee?

Dafür gibt es mehrere Gründe: Ich wollte die Distanz zwischen Europa und Amerika erleben, ich wollte die Reise der Titannic (Southhampton – New York) nachahmen und ich wollte diese ultimative Entschleunigung: Neun Tage Schiff statt acht Stunden Flugzeug. Ruhe und Entspannung statt Stress und Hektik.

Wie war es auf der Queen Mary 2?

Luxuriös! Die Kabine, die Restaurants – ach das ganze Schiff erinnern an die alten Transatlantik-Liner, die zwischen Europa und Amerika fuhren: Hochvertäfelte Treppenhäuser, sehr gutes Essen und sehr viel Personal, um den Gast zu bedienen. Kleine Anekdote: Cunard wirbt mit seinem „White Star Service“ – exakt, der White Star Line gehörte die Titannic und sie wurde später mit Cunard fusioniert. In Zahlen: Die Mannschaft umfasst 1.300 Personen, die sich um 2.700 Gäste kümmern. Zum Vergleich: Die Aidaprima 900 Mitarbeiter und 4.350 Passagiere.

Beeindruckend auch, wie das Schiff selbst bei Windstärke sieben ruhig im Wasser lag. Wie sagte der Kapitän so schön: Das Schiff ist gebaut für die Transatlantik-Passage. Deshalb hat die Queen Mary vier statt der üblichen zwei Stabilisatoren, liegt tiefer im Wasser als andere Kreuzfahrtschiffe und hat einen besonders stabilen Bug.

Kühler als erwartet war das Wetter: Zeitweise Sonne, aber zumeist Wolken und zwei Tage sogar dichter Nebel. Das Sonnendeck habe ich daher vorwiegend mit Jacke genutzt.

Gut, aber wie ich finde nicht überragend war die Bordunterhaltung: Zwar gab es jeden Tag zwei klein beschriebene Seiten mit Programmpunkten, aber die guten Vorträge waren selten. Besonders gefallen hat mir die Lesung von Sebastian Fitzek, der aber leider in Southhampton wieder von Bord gegangen ist. Beeindruckend war das Planetarium an Bord, das abends zum 3D-Kinosaal wurde.

Was war nicht so gut?

Die Queen Mary 2 wurde 2004 gebaut und das merkt man der technischen Ausstattung an: Auf der Kabine gibt es keine USB-Stecker – ja nicht mal eine Steckdose am Bett. Der Fernseher ist zwar flach, aber nicht smart: Es gibt ein paar Programme (auf deutsch nur RTL), aber keine Möglichkeit auf Knopfdruck Nachrichten abzurufen, den Stand des Bordkontos zu prüfen oder die aktuelle Position des Schiffes zu erfragen.

Ärgerlich fand ich den Checkin in Hamburg: Im Cruise Terminal Steinwerder mussten die Passagiere mehr als eine Stunde in langen Schlangen warten, bis sie einchecken konnten. Sorry, Cunard, aber das kann Aida besser.

Ähnlich langsam wie auf der Aida war der Internet-Zugang, der aber zum Nachteil der Passagiere pro Minute und nicht wie bei Aida pro MByte abgerechnet wird. Sobald die Internet-Leitung stand, habe ich also versucht, vorbereitete Nachrichten und Bilder schnell zu verschicken. Offenbar ist das Bordnetz trotzdem gut ausgelastet, denn in meiner Kabine 11118 verlor das Handy immer wieder die Verbindung zum WLAN obwohl der Hotspot fast direkt vor der Kabine an der Decke hing. Stabiler und auch schneller war es im Atlantik-Room ganz vorne auf Deck 11.

Dafür klappte das Telefonieren erstaunlich gut: Dank Handy und Bordnetz war ich jederzeit erreichbar. Merkwürdig nur, dass mich eingehende Anrufe mit meinem Telekom-Vertrag 2 Euro pro Minute kosteten und es 4 Euro pro Minute gekostet hätte, wenn ich selbst jemanden angerufen hätte. Hätte ich das Telefon in meiner Kabine genutzt, hätte die Verbindung gar 10 US-Dollar pro Minute gekostet. Noch so eine Erinnerung an die alten Zeiten, als Hotelzimmer Telefonate zu völlig überzogenen Minutenpreisen anboten.

Was waren die Highlights?

Das Auslaufen in Hamburg war beeindruckend: Majestätisch legte das Schiff ab und hunderte Menschen winkten von Land oder von begleitenden Schiffen aus der Queen Mary 2 und ihren Passagieren zu. Ich habe fleißig zurückgewunken.

Das Frühstück in der Kabine war ein täglicher Luxus: Pünktlich zur gewünschten Zeit stand der Steward vor der Tür und servierte die bestellten Köstlichkeiten: Frischer Obstsalat, leckerer Kakao, Müsli und und und. Dafür musste ich nur am Abend vorher eine Bestellung an die Tür hängen. Im Vergleich zum Frühstück im Kings Court – dem großen Buffet-Restaurant – war es auf dem Balkon der Kabine oder auch innen wunderbar ruhig.

Fast schon gespenstisch war der Moment, an dem die Queen Mary 2 nur rund 150 Seemeilen nördlich der letzten Position der Titannic war: Es war um 22 Uhr stockdunkel, extrem nebelig – weshalb alle zwei Minuten das Nebelhorn ertönte – und die Wassertemperatur lag unter 10 Grad. Man mag sich nicht vorstellen, wie sich die Menschen damals gefühlt haben müssen, als sie aus ihren warmen Kabinen in diese Kälte hinaustraten und in Rettungsbote steigen sollten.

Beeindruckend auch der Blick auf Meer: Auf der ganzen Fahrt habe ich kein anderes Schiff oder Flugzeug gesehen. Die Queen Mary 2 war eine Luxusinsel mitten im Atlantik, die stoisch mit 21 Knoten Richtung New York fuhr.

Wer selbst einmal mit der Queen Mary 2 fahren möchte, sollte gut ein Jahr vor dem gewünschten Termin buchen und sich eine Balkonkabine gönnen. Meine Kabine 11118 auf Deck 11 war toll, auch wenn das ausladende Sonnendeck 12 für Schatten auf dem Balkon sorgte. Dafür war ich immer schnell oben auf dem Sonnendeck.

Fazit

Die Queen Mary ist „very british“: Jeden zweiten Abend war Gala-Diner und natürlich durften sich alle Passagiere mit dem Kapitän fotografieren lassen.

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