Blendle: Die schönste Paywall Deutschlands ist bald Geschichte

Vor vier Jahren habe ich Blendle auf Journalisten-Tools.de als die schönste Paywall Deutschlands bezeichnet, weil man dort auf Prepaid-Basis einzelne Artikel kaufen und bei Nicht-Gefallen wieder zurückgeben konnte. Aus meiner Sicht ein sehr nutzerfreundliches Konzept. In manchen Monaten habe ich 40 Euro an Blendle gezahlt. Leider hat Blendle jetzt angekündigt, dass der Einzelverkauf ab August Geschichte sein wird. Künftig will man nur noch ein Flatrate-Modell anbieten.

Ich bin bekennender News-Junkie und bereit, für gute Inhalte Geld zu bezahlen. Deshalb habe ich seit Jahren Welt.de abonniert und seit ein paar Wochen zusätzlich Spiegel Plus. Eine Abo (quasi eine Flatrate) ist toll, wenn man regelmäßig ein Portal besucht. Bei Blendle schätze ich, dass ich mit nur einer Anmeldung Zugriff auf dutzende andere Titel bekomme. Es macht keinen Sinn, für ein oder zwei gute Geschichten bei der ZEIT gleich ein ganzes Abo abzuschließen.

Aber seit ein paar Monaten „klemmt“ es bei Blendle: Der Newsletter – der früher gute Geschichten präsentierte und mich massiv zum Klicken (und damit Geld ausgeben) animiert hat, listet immer öfter nur „Best Of“-Übersichten, die offenbar automatisiert erstellt werden, um Personal zu sparen. Keine gute Ausgangsvoraussetzung, um jetzt die Kunden davon zu überzeugen, dass man eine Flatrate buchen soll.

Besser wäre es aus meiner Sicht gewesen, noch stärker auf den Einzelverkauf zu setzen und diesen durch einen guten Newsletter und mehr Werbung zu pushen.

Der Einzelkauf ist zudem eine gute Möglichkeit, um Kunden auf die Plattform zu locken, die nicht sofort eine Flatrate buchen möchten. Wer erstmal erlebt hat, wie komfortabel Blendle funktioniert, wie schön die Darstellung der Artikel in der App ist und wie freundlich der Support ist – der wäre sicher eher bereit gewesen, eine Flatrate zu abonnieren. Erst recht, wenn Blendle auf Basis der Einzelkäufte eine Flatrate angeboten hätte, die mir helfen würde, Geld im Vergleich zum Einzelkauf zu sparen.

Wenn schon Flatrate, dann lieber bei einem Anbieter wie Apple News, der aufgrund seiner Marke und Größe deutlich mehr Anziehungskraft für Publisher und Leser entwickeln dürfte. Wie soll ein kleines Blendle gegen solche Konkurrenten bestehen? Aus meiner Sicht begeht Blendle hier Selbstmord aus Angst vor dem Tod.

Beteilige dich an der Unterhaltung

1 Kommentar

  1. Hallo Herr Brinkmann,
    ich sehe das ähnlich wie Sie.
    Blendle ist klasse, so wie es jetzt ist. Eine Flatrate werde ich nicht mitmachen.
    Total schade.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Michael Koschorreck

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.